In seinem letzten Wort beantwortete der Gläubige drei von ihm selbst gestellte Fragen: „Warum bin ich hier gelandet? Was ist in all dieser Zeit geschehen? Und bereue ich es vielleicht?"
Stenogramm:
Sehr geehrtes Gericht! Heute stehe ich vor Ihnen weder als Straftäter noch als Leiter irgendeiner geheimen Organisation. Ich stehe vor Ihnen als gewöhnlicher gläubiger Mensch, der sich christlich verhalten hat – nämlich auf Wunsch eines Menschen mit ihm Bibelkenntnisse geteilt hat.
Mir wird eine Straftat vorgeworfen, bei der mein religiöses Leben als extremistische Tätigkeit dargestellt wird. Doch wenn man die Unterlagen des Verfahrens sorgfältig liest – die Gutachten der linguistischen Experten, die Aussagen der Verteidigungszeugen sowie die Vorschriften des Gesetzes der Russischen Föderation – ist klar: Extremismus hat nichts mit mir zu tun.
Im letzten Wort möchte ich ein Fazit ziehen und drei Fragen beantworten: Warum bin ich hier? Was ist in dieser Zeit geschehen? Bereue ich es?
Zunächst möchte ich denen danken, die an meiner Seite waren, zu den Prozessen kamen und Briefe geschrieben haben. Das ist wirklich, wirklich wohltuend! Es gibt immer Zuversicht – nicht nur für mich. Erstaunlicherweise gibt es auch dem Zensor, den Mitgefangenen Mut... Das stimmt tatsächlich. Ich bin sehr dankbar für die Briefe und die Gebete! Mein lieber Bruder – ich glaube, er leidet sogar mehr als ich.
Ich danke auch meinen Anwälten – sie haben unsere Verteidigung sehr kompetent organisiert, sich gut eingearbeitet, sorgfältig die Fakten geprüft und sich aktiv eingebracht!
Eure Ehren, Ihnen persönlich möchte ich ebenfalls danken, dass Sie die Sitzungen in größeren Sälen stattfinden ließen und die Türen offen gehalten haben. Für mich, meine Angehörigen und Freunde hatte die Möglichkeit, bei einer öffentlichen Gerichtsverhandlung dabei zu sein, große Bedeutung.
Dem Staatsanwalt danke ich auch dafür, dass Sie den Namen Gottes und die Bezeichnung unserer Glaubensgemeinschaft korrekt ausgesprochen und unsere Haltung respektiert haben. Das war angenehm.
Auch für Ihren Humor ein Dankeschön – die Atmosphäre wurde dadurch sofort entspannter. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie …