Letztes Wort des Angeklagten Wladimir Kolesnikow in Wyselki

„Es tut mir weh, dass mir im hohen Alter das Etikett ‚Extremist‘ angehängt wurde, noch bevor das Gericht entschieden hat und man schon im Voraus behauptet, ich sei schuldig“, sagte der Gläubige. „Aber mir gefallen die Worte des Apostels Paulus: ‚Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir sind nicht in die Enge getrieben.‘“

Stenogramm:

Ihre Ehren! Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass es mir nach meinem Schlaganfall schwerfällt, meine Gedanken zu formulieren. Deshalb haben mir Angehörige geholfen, in diesem letzten Wort alles auszudrücken, was ich denke und fühle.

Das Erste, worüber ich sprechen möchte: Es tut mir weh, zu sehen, was geschieht. Ich erinnere mich, wie es vor 2017 war. Gutachten, die von Personen ohne entsprechende Ausbildung oder Qualifikation verfasst wurden, beeinflussten die Aufnahme von Publikationen der Zeugen Jehovas in das Verzeichnis extremistischer Materialien – offenbar gemäß dem Willen anderer. Als dann wohl die gewünschte Anzahl erreicht war, wurden örtliche Organisationen als extremistisch eingestuft. Schließlich hat man auch das Verwaltungszentrum der Zeugen Jehovas aufgelöst. Das Ganze geschah methodisch und schrittweise. Jetzt läuft es darauf hinaus, zu beweisen, dass jemand nach 2017 Zeuge Jehovas geblieben ist, nicht von seinem Glauben und seinen Grundsätzen abgerückt ist. Und obwohl das Oberste Gericht betont hat, dass die Zeugen Jehovas gesetzlich nicht verboten sind und das Recht haben, ihre Religion in Russland auszuüben, scheint es, als würden die Gerichte im Land nicht nach dem Gesetz entscheiden, sondern nach jemandes Willen.

Ich bin 80 Jahre alt, und es tut mir weh, neben mir auf der Anklagebank gute Menschen zu sehen, deren Leben in vollem Gange ist, die aber schon seit drei Jahren einfach wegen ihrer Ansichten bestraft werden; sie müssen den Menschen um sie herum Selbstverständlichkeiten erklären, und das nur aufgrund jemandes Willen. Es gibt kein einziges Opfer, niemand, der ihnen vorwerfen könnte, anderen Böses zu wünschen, jemandem zu drohen oder sonst wie Schaden zuzufügen. Sie sind einfach sie selbst geblieben, als sich der Wind gedreht hat.

Es schmerzt mich zu sehen, wie gute Menschen, die Exekutive und Justiz vertreten, gezwungen sind, nach jemandes Willen zu handeln und nicht strikt nach dem Gesetz. Es tut mir weh, dass man mir im …

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