Biografie
Sergei Petrow ist seit über 40 Jahren verheiratet; 33 Jahre arbeitete er an derselben Stelle. An einem Tag änderte sich alles schlagartig – wegen seines Glaubens landete er im Untersuchungsgefängnis. Wenige Monate später erhob man ähnliche Vorwürfe gegen seine Ehefrau Raisa. Sie wurde unter Hausarrest gestellt.
Sergei wurde in der Stadt Sysran in der Kuibyschew- (heute Samara-) Oblast geboren, verbrachte seine Jugend jedoch in Kasachstan, in Taldy-Kurgan. Er ist das älteste von fünf Kindern: Sergei hat einen Bruder und drei Schwestern. Die Mutter arbeitete als Gipserin und Malerin, der Vater war Mechaniker am Flughafen.
Die Eltern bemühten sich, ihren Kindern Fleiß zu vermitteln. Von Kindheit an interessierte sich Sergei für Technik und Radioelektronik. Er bastelte viel, lernte Fahrräder und Motorräder zu reparieren. Nach seinem Abschluss an der Berufsschule mit Auszeichnung absolvierte er auch das Technikum. Sergei vertiefte sein Wissen im Bereich Elektrotechnik und Elektronik. Eine Zeitlang arbeitete er als Lehrer für Physik, Zeichnen und Werken. Die letzten 30 Jahre – bis zu seiner Verhaftung – war er als Schlosser-Elektriker in einem Tankstellennetz tätig und stellte dort die Kraftstoffpumpen ein.
Im Dezember 1983 heiratete Sergei Raisa. Anfang der 1990er zog die junge Familie – mit Sohn und Tochter – nach Talmenka. Dort leben sie seitdem. Der Sohn der Familie Petrow wurde Fachmeister für Berufsausbildung (Techniker), die Tochter erlernte die Berufe Buchhalterin und Friseurin. Beide haben inzwischen eigene Familien.
Sergei liebt es, Weintrauben anzubauen und daraus Hauswein herzustellen. Er geht gern angeln und bereitet Schaschlik zu. Gemeinsam mit seiner Familie verbringt er gerne Zeit in der Natur, pflegt den Garten, fährt Fahrrad, betreibt Nordic Walking und trifft sich mit Freunden.
Als Erste in der Familie kam Sergeis Mutter 1970 mit der Bibel in Kontakt. Bei der Erziehung der Kinder bemühte sie sich, ihnen Liebe zu biblischen Prinzipien zu vermitteln. Sergei dachte über die Worte seiner Mutter nach und beobachtete, wie erstaunlich die Welt aufgebaut ist. Dadurch kam er zu der Überzeugung, dass es einen Schöpfer gibt. Mit der Zeit entschied sich Sergei, ein Zeuge Jehovas zu werden.
Nach Sergeis Verhaftung verlor Raisa die Unterstützung ihres liebevollen Mannes und einzigen Ernährers: Ihre Rente ist gering, das Haupteinkommen der Familie brachte ihr Mann. Sergei leidet an chronischen Krankheiten: Er benötigt täglich Medikamente, auch rezeptpflichtige, was im Untersuchungsgefängnis schwierig ist.
Für diejenigen, die Sergei seit Jahren kennen – Verwandte, Nachbarn und Bekannte –, ist es schwer nachzuvollziehen, warum er strafrechtlich verfolgt wird. Nach ihren Aussagen ist Sergei ein hilfsbereiter, freundlicher und gesetzestreuer Mensch.
