Biografie
Im Jahr 2021 wurde gegen Sergei Wassiljew, einen Rentner, der am Bau der Baikal-Amur-Magistrale beteiligt war, nur wegen seines Glaubens an Jehova Gott ein Strafverfahren eingeleitet. Später verurteilte das Gericht ihn zu 3 Jahren Freiheitsentzug. Im Juli 2024 wurde Wassiljew aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen. Zwei Jahre später verstarb der Gläubige.
Sergei wurde in Irkutsk in eine Künstlerfamilie des Musiktheaters hineingeboren. 1955 gaben ihn seine Eltern zur Erziehung an die Großeltern mütterlicherseits. In seiner Kindheit hatte Sergei viele Hobbys: Angeln, Wandern, das Sammeln von wildwachsenden Nutzpflanzen, Fahrradfahren sowie Schach, Eislaufen, Skifahren, Tennis und Judo.
Direkt nach der Schule arbeitete Sergei als Bewehrungsarbeiter in einem Werk für Stahlbetonprodukte. Nach dem Wehrdienst, in dem er als Panzerfahrer diente, erlernte er zahlreiche Berufe: Kfz-Mechaniker, Fahrer, Elektriker, Anschläger, Warenkundler für Pelz- und Fellrohstoffe. Er erhielt Auszeichnungen und Anerkennungen. 23 Jahre lang arbeitete er in einer Apotheke und ging 2018 in den Ruhestand.
Sergei begann 1993, die Bibel zu erforschen. Über diese Zeit berichtete er: „Ich habe schon lange nach dem Sinn des Lebens gesucht. Wenn man jung und gesund ist, fehlt es an Erfahrung und Fähigkeiten im Beruf. Hatte ich beides erlangt, fehlten mir Kraft und Gesundheit. Das war sinnlos. Mit dem Studium der Bibel ergab alles einen Sinn.“ Nachdem er Antworten auf seine Fragen gefunden hatte, schlug Sergei 2002 den christlichen Weg ein.
Sergei lebte in verschiedenen Regionen Russlands sowie in Lettland, der Ukraine, Ägypten und Thailand. Zu seinen Hobbys gehörten Fahrradtouren, Bootsfahrten, Angeln und Wanderungen im Wald.
Sergei war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau verstarb 2008, die zweite im Jahr 2020. Freunde unterstützten den Gläubigen und betrachteten die Strafverfolgung als ungerecht.
Überblick
Im Oktober 2021 fand in Irkutsk und der Region eine Serie von Hausdurchsuchungen statt, die mit Verwüstungen und gewaltsamen Übergriffen auf friedliche Gläubige einhergingen. Den Zeugen Jehovas Jaroslaw Kalina, Sergei Kosteev, Nikolai Martynow, Michail Mojsch, Alexei Solnetschny, Andrei Tolmatschew und Sergei Wassiljew wurde ausschließlich wegen ihres Glaubens Extremismus vorgeworfen. Nach den Hausdurchsuchungen und Vernehmungen wurden sie festgenommen: sechs kamen ins Untersuchungsgefängnis, einer wurde unter Hausarrest gestellt.
Zwei Monate später führten Ermittlungsbeamte noch zwei Hausdurchsuchungen durch: im Dorf Askis (Republik Chakassien) bei Denis Saraschackow und in der Stadt Mesduretschensk (Gebiet Kemerowo) bei Igor Popow. Beide wurden verhaftet, über 1.500 Kilometer nach Irkutsk gebracht und ebenfalls in Haft genommen.
Im Dezember 2022 kam das Verfahren vor Gericht. Im März 2024 erhielten sie Strafen von drei bis sieben Jahren Freiheitsentzug im Straflager des allgemeinen Regimes. Die höheren Instanzen bestätigten das Urteil ohne Änderungen. Im September 2026 wurden Popow und Saraschackow freigelassen.
